Kurze Geschichte 

der Evolution 

der Gesangsfunktion 


Singen in der 'funktionalen' Weise, wie Eugen Rabine es versteht, ist eine Art, den Körper als klangerzeugende Instrument zu benutzen, die dem Menschen auf Grund seiner vollständigen Aufrichtung als einzigem Lebewesen zur Verfügung steht. Allein die echte Aufrichtung des Körpers mit seinem Klangraum im Inneren, der sich von den schwingenden Stimmlippen bis zum geschlossenen Gaumensegel beim erwachsenen Menschen etwa 12 bis 15 cm vertikal nach oben erstreckt, ermöglicht nämlich die Entstehung einer stehenden Welle (wie beim Blasinstrument) in der differenzierten Form, dass ein sich selbst regulierender reflektorischer Ablauf zwischen einem antagonistisch arbeitenden Muskelpaar (dem musculus vocalis und dem musculus crycothyroideus) entstehen kann, bei dem ein Grundtremor von etwa 5 bis 7 hz für ausgleichende Entlastung während der kontinuierlichen Belastung der Muskulatur sorgt. Diese Funktion entwickelt jedes entgegengesetzt agierende Muskelpaar bei Dauerbelastung, es entsteht ein Zittern. Da bei den Muskeln des Vokaltraktes Töne erzeugt werden, ist dieses Zittern als sogenanntes Vibrato hörbar, wenn die Funktion balanciert arbeitet. 
Diese Balance kann nur erreicht werden durch die starke Senkung des Kehlkopfes während der Entwicklung von Kind zum Erwachsenen, die so nur beim Menschen vorkommt, da sonst die anatomischen und akustischen Voraussetzungen für eine derartig differenzierte Erzeugung von Tönen nicht möglich wäre. Anders gesagt, die aufgerichtete Körperhaltung ist die Voraussetzung für Singen, und im Übrigen auch für den differenzierten Gebrauch unserer Artikulationsmuskulatur beim Sprechen und auf diese Weise für die Entwicklung der menschlichen Kultur allgemein. 
Nach neueren Erkenntnissen hat sich diese Haltung, die uns von allen anderen Tieren unterscheidet, in zwei Schritten vollzogen: Als die frühen Vorfahren des Menschen sich auf die Bäume schwangen, um neue sichere und nahrungsreiche Lebensräume zu erschließen, wurde außer dem Überdruckventil, (den sogenannten Taschenfalten,) das die evolutionäre Aufgabe hat, von außen eindringende Fremdkörper durch den Hustenreflex wieder hinauszuschleudern, und das die Ausübung von Druck weg vom Körper (z. B. beim Gebären oder der Ausscheidung) ermöglicht, ein Unterdruckventil nötig, um bei über den Kopf gehobenen Armen eine allzu starke Aufblähung der Lunge zu verhindern. Das waren die Vorläufer der Stimmlippen. Als später in einem als 'second waterperiod' bezeichneten Entwicklungsschritt die Hominiden ihren Lebensraum von den Bäumen an die Ufer der Flüsse, Seen und Ozeane verlegten, und ihr Nahrungsangebot erweiterten, indem sie lernten, im seichten Wasser Fische zu fangen (dafür spricht auch der stromlinienförmige Körperbau, der sich von dem aller anderen Primaten deutlich unterscheidet, die horizontale Nasenöffnung, die das Eindringen von Wasser erschwert und die Reste von Schwimmhäuten zwischen den Fingern, unsere angeborene Vorliebe für Wasser und Leben an Gewässern, sowie die Größe und der Eiweißbedarf unseres Gehirns, der allein durch die Nahrung der anderen Primaten niemals gedeckt werden könnte), veränderte sich der Körperbau, durch den Auftrieb des Wassers unterstützt, bis die vollständige Aufrichtung möglich wurde, und dadurch auch der Kehlkopf sich in den verlängerten Hals absenkte und stark an Beweglichkeit zunahm. Damit waren die anatomischen Voraussetzungen für Gesang (entwicklungsgeschichtlich früher) und Sprache geschaffen. Noch heute entwickelt sich jedes neugeborene Kind auf die gleiche Weise, und 'funktionaler' Gesang mit dem Vibrato als Regulativ ist daher auch erst nach der Pubertät, der vollständigen Kehlkopfsenkung möglich, davor gibt es in der Regel nur eine Form des Rufens bzw. auch Schreiens, um Töne zu erzeugen.